Als wir zum ersten Mal das Waisenhaus besucht haben war dies wie der Eintritt in eine voellig andere Welt, die wir in dieser Form vorher noch nicht gesehen haben. Ein Haufen spielender Kinder aus jeder Altersgruppe, die unter einfachsten Bedingungen Leben und trotzdem ein ungewohnt hohes Mass an Lebensfreude ausstrahlen.
Der erste Eindruck war etwas bedrueckend, denn die etwas triste und runtergekommene Umgebung, gepaart mit so vielen unbekannten Menschen von denen wir scheinbar so weit entfernt sind wirkte ernuechternd.
Wir sind schliesslich mit dem Ziel nach Simbabwe gereist anzupacken und zu helfen.
Dieser Gedanke war in diesem Moment vollkommen verschwunden und durch einen Anderen ersetzt worden: Wie sollen wir nur sechs Wochen hier leben und dabei auch noch produktiv sein? Jedoch nach einigen Stunden haben wir die Kindern bereits kennen gelernt, ein wenig rumgealbert und sind schon ein wenig "warm" miteinander geworden. So stellt sich also heraus, dass diese scheinbar so fremden Menschen sehr liebenswert und freundlich sind und dass man durchaus Gemeinsamkeiten hat und vor allem auch voneinander lernen kann. Diese Tatsache hat sich waehrend der ersten drei bis vier Tage immer mehr verstaerkt, womit der erste Zweifel schonmal aus dem Weg gerauemt war. An die ungewohnte Umgebung, die absolute Schlicht oder -Einfachkeit und diese gewisse Tristesse haben wir uns eher im Unterbewusstsein gewoehnt. So stoerten uns zum Beispiel die Kakerlaken in unserem Zimmer nicht mehr, sporadische Stromausfaelle oder Wasserengpaesse wurden hingenommen und das Essen mit den Fingern in unhygenischer Umgebung wurde zur Normalitaet.
Nach dieser Eingewoehnungsphase konnten wir nun also beginnen Hand an zu legen, denn in den ersten Tagen sind uns mehr und mehr Ideen gekommen, was verbessert oder einfach nur verschoenert werden koennte. Als erstes hatten wir es uns nun zur Aufgabe gemacht die trostlos wirkenden Essens und -Aufenthaltsraeume zu streichen und mit Bildern der Kinder zu schmuecken. Dazu brauchten wir natuerlich Materialien, die, wie sich herausstellte, nicht so einfach zu beschaffen waren, wie der Deutsche es gewohnt ist. Entweder war es sehr schwierig bestimmte Dinge, wenn auch nur Kleinigkeiten, zu bekommen oder teilweise horrenden Preise zwangen uns eine Alternativloesung zu suchen.
Das Streichen und Verschoenern der Raeume war dann widerrum sehr spassig, denn wir hatten die tatkraeftige Unterstuetzung der Kinder und das Ergebnis sorgte fuer grosse Freude und Zufriedenheit.

Ein weiterer Punkt war die fehlende Privatsphaere der Jungs, denn jegliche Art von persoenlichem Besitz wird hier als Algemeingut betrachtet, was zur Folge hat, dass die Gegenstaende frueher oder spaeter verschwinden. Um diesen Missstand einigermassen in den Griff zu bekommen hatten wir uns ueberlegt Schliessfaecher fuer jeden zu bauen. Um dafuer das noetige Material zu bekommen mussten wir erneut einen Irrgarten von nicht nachvollziehbaren Formalitaeten druchlaufen. Als wir dann alles hatten, galt es nur noch mit den einfach Werkzeugen zurecht zu kommen. Alles zusammen gezimmert, haben wir jedes Fach mit einem Schloss und einem persoenlichem Bild versehen und jeden einen Schluessel ausgehaendigt.
In den folgenden Tagen konnten wir feststellen, dass die Neuerung gut angenommen wurde, wenn auch Einige Probleme hatten, auf ihre Schluessel und die damit verbundene Verantwortung acht zu geben. In der letzten Woche bauten wir dann noch einen Meerschweinchenkaefig fuer zwei der Jungs, die ihre Haustiere vorher eher provisorisch in einer alten Holzkiste aufbewahrten. Den Rest der Zeit haben Spiele, wie Uno oder Dame mit den Junge gespielt, wobei uns immer wieder aufgefallen ist, dass diese Jungs spielerisch, intelektuell und kuenstlerisch einiges zu bieten habe, jedoch total unterfordert sind.
Oft haben wir auch Wanderungen auf die umliegenden Berge unternommen, bei denn man keinen besseren Guide haben kann als diese Jungs. Sie haben uns zum Beispiel Dinge erklaert, essbare Fruechte gezeigt und uns auf Tiere aufmerksam gemacht, die wir glatt uebersehen haetten. Wenn wir zu faul waren groessere Dinge zu unternemen sind wir einfach zu unserer Lieblingsstelle, den Wasserfaellen, gegangen, wo wir gebadet oder uns einfach in die Sonne gelegt haben. Abschliessend, haben wir eine kleine Grillparty im nahegelegenen Nationalpark organisiert. Wir hatten Glueck, die Kinder haben dort zum ersten Mal Elefanten und ein Krokodil zu Gesicht bekommen, was den Nachmittag zu etwas Besonderem gemacht hat.
Fazit: Unsere anfaenglichen Zweifel wurden total ueber den Haufen geworfen. Wir haben die wilde Truppe, die in Deutschland wahrscheinlich jeden Kindergarten dem Erdboden gleich machen wuerde, total lieb gewonnen und in unser Herz geschlossen.
Umso trauriger die Tatsache, dass diese Jungs vom Schicksal benachteiligt wurden. Deshalb ist es wichtig solche Menschen sich nicht selbst zu ueberlassen, sie zu unterstuetzen und zu foerdern.









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